Weihnachten, das ist kein alltägliches Wort. Nicht nur deshalb, weil es eine besondere Zeit im Jahr beschreibt, sondern auch sprachlich!
Was ist der Unterschied zwischen „Weihnachten“ und „Weihnacht“? Warum heißt es eigentlich nicht „Weihnächte“? Und ist es nun „das Weihnachten“ oder „die Weihnachten“? Fragen über Fragen!
Wir sehen uns die Grammatik von „Weihnachten“ mal ein bisschen genauer an. Holen Sie sich einen Weihnachtstee und einen Lebkuchen, dann geht es los!

Wir fangen mit dem unkomplizierten Teil an: „Weihnacht“. So wie in dem Lied „Fröhliche Weihnacht überall“. Das Wort ist weniger gebräuchlich als „Weihnachten“. Deshalb klingt es vielleicht ein bisschen fremd, ein bisschen altertümlich in Ihren Ohren. Theoretisch können Sie sich trotzdem die ganzen grammatischen Grübeleien ersparen und einfach „Frohe Weihnacht“ wünschen. Oder Sie lesen hier weiter, wenn Sie neugierig sind!
Wie die normale „Nacht“ ist „Weihnacht“ weiblich. Ebensowenig überraschend ist, dass es Singular ist, also Einzahl. Der passende Artikel ist daher „die“.
Eine Nacht oder mehrere Nächte?
Was ist denn nun der Plural von „Weihnacht“? Man könnte vermuten, dass es „Weihnachten“ ist. Das wäre dann zwar eine sehr unregelmäßige Form, aber sowas kommt vor. Hier trifft es trotzdem nicht zu. Des Rätsels Lösung: Das Wort „Weihnacht“ hat gar keinen Plural! Der Fachbegriff für so ein Wort ist Singularetantum, wörtlich: „nur Singular“.
Aber wenn „Weihnachten“ gar nicht die Mehrzahl von „Weihnacht“ ist, wo kommt dieses merkwürdige Wort dann her? Und warum klingt es so, als wären die beiden Wörter ganz eng verwandt? Der Duden weiß es: „Weihnachten“ stammt vom mittelhochdeutschen Ausdruck „ze wihen nahten“ („in“ bzw. „zu den heiligen Nächten“) ab. Das ist Plural. Die Singularform wäre „wihe naht“, davon leitet sich, Sie ahnen es, die „Weihnacht“ ab. Doch der Ausdruck „ze wihen nahten“ in seiner speziellen Form ist ganz unabhängig davon erhalten geblieben und zu „Weihnachten“ geworden. Und dieses Wort wird als ganz normales Substantiv im Nominativ Singular behandelt.
Erstarrte Form: ein lebendes Sprachfossil
Sprachhistorisch nennt man eine solche Form übrigens „erstarrt“. „Weihnachten“ ist ein erstarrter Dativ Plural, genau so wie „wihen nahten“ Dativ Plural war. Das klingt ein bisschen kompliziert, aber „erstarrt“ beschreibt es ganz gut und einprägsam, finde ich. Es erinnert mich an ein lebendes Fossil in der Biologie: eine Art, die über eine außergewöhnlich lange Zeit praktisch unverändert erhalten geblieben ist.
So, kurz zusammengefasst: „Weihnachten“ ist aus einem Dativ Plural entstanden, wird aber in der modernen Sprache als Nominativ Singular angesehen. Da sind wir doch schon mal einen Schritt weiter.
Aber wir haben noch eine weitere Möglichkeit, das Wort zu verwenden: Zum Teil wird es als Plural aufgefasst und benutzt, wie zum Beispiel im Satz „Diese Weihnachten bleibe ich zu Hause.“ Und genau so ist es auch in Wunschformeln. Deshalb wünschen wir uns „Frohe Weihnachten“ und nicht „Frohes Weihnachten“
Der, die oder das Weihnachten?
Während „die Weihnacht“ weiblich ist, ist „Weihnachten“ als Neutrum (sächlich) anzusehen, schreibt der Duden. So verwenden wir den Ausdruck auch sehr häufig: „Es war ein schönes Weihnachten.“ Oder wir lassen den Artikel einfach weg: „Weihnachten war schön.“
Was natürlich auch funktioniert: ein zusammengesetztes Hauptwort benutzen und zum Beispiel „ein frohes Weihnachtsfest“ wünschen. Oder „schöne Weihnachtstage“. Dann ist durch den bestimmenden letzten Bestandteil des Wortes ganz klar, welcher Artikel und welcher Numerus nötig sind.
Ganz schön weihnachtlich
Auch beim Adjektiv „weihnachtlich“ sehen wir wieder, dass es nicht von „die Weihnacht“ abgeleitet ist, denn dann würde es wohl „weihnächtlich“ heißen. Wie in „ein nächtlicher Besucher“. Es kommt also von dem erstarrten Ausdruck.
Was ich übrigens besonders schön finde, ist, dass es sogar ein Verb zu „Weihnachten“ gibt! Sein Ursprung dürfte das Gedicht „Knecht Ruprecht“ von Theodor Storm sein: „Von drauß', vom Walde komm ich her, ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!“ Ich finde, dieses Verb benutzen wir viel zu selten.
Weitere weihnachtliche Sprachrätsel
Wir wissen jetzt also:
„Weihnachten“ ist ein Neutrum.
„Weihnachten“ ist als Nominativ Singular anzusehen, obwohl es ein erstarrter Dativ Plural ist.
„Weihnachten“ kann auch als Plural verwendet werden (und wird es z. B. bei Weihnachtsgrüßen).
Es gäbe noch mehr zu erforschen, zum Beispiel, warum man „Weihnachtslied“ sagt und nicht „Weihnachtlied“ (wie in „Nachtwanderung“) und auch nicht „Weihnachtenlied“ (wie man vermuten könnte). Mal sehen, ob ich bis zum nächsten Dezember etwas dazu herausbekomme!
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