Eigentlich wollte ich ja ...
Diesen Satz zu Ende zu schreiben, dazu lädt André Bosse in seiner Blogparade „Eigentlich wollte ich ja ...“ ein.
Wahrscheinlich bin ich nicht die einzige, die eine ganze Menge mögliche Enden für den Satz hat! Viele davon sind all die kleinen guten Vorsätze, die wir uns fast täglich vornehmen, im Beruf, im Alltag, privat. Andere sind große Ziele, Pläne, konkrete Vorhaben, die irgendwie immer noch nicht umgesetzt sind. An manche davon denken wir traurig zurück, manche machen uns Stress, andere sind nicht gar nicht so wichtig, wie wir dachten.
Von einigen haben wir uns längst verabschiedet. Manchmal mit ein wenig Wehmut, bei anderen sind wir vielleicht sogar froh, dass wir sie nie durchgezogen haben. Von einem meiner sehr frühen Eigentlich-wollte-ichs, das plötzlich auf ganz andere Weise wieder aktuell ist, handelt dieser Artikel.
Eigentlich wollte ich nämlich …

… ins Weltall fliegen!
Damals, als ich ein Kind war. Damals, als die Zukunft noch weit weg war und wir in der Schule Aufsätze darüber schrieben, wie wir uns die Welt im Jahr 2000 vorstellten.
Damals war ich mir ganz sicher: Wenn ich erwachsen wäre, würde man einfach im Urlaub ins All reisen können, nicht aufwendiger als nach Spanien. Und man könnte einfach so Astronautin werden, so wie Lehrerin oder Verkäuferin. Denn die Zukunft, das war ja noch lange hin, bis dahin wäre das sicher möglich! Serien wie „Star Trek“ und „Raumpatrouille“ taten ein Übriges. Dort sah die Raumfahrt so leicht aus!
Als sich die Berufswünsche sortierten und von Kinderträumen zu Teenie-Rosinen im Kopf wurden, war klar, dass das mit dem Astronautinwerden noch nicht wirklich einfacher geworden war. Zwar gab es das Space Shuttle, das immerhin nach einer Reise in den Weltraum nicht Schrott war. Aber das mit dem Urlaub im All hatte immer noch niemand in den Griff gekriegt. Und nach meinen Erfahrungen mit dem Sportunterricht in der Schule machte ich mir keine Illusionen, dass ich irgendeine wie auch immer geartete Astronautenprüfung auch nur ansatzweise bestehen würde.
Andere Träume und Ziele
Dass sich so ein Kindheits-Berufstraum nicht erfüllt, ist, glaube ich, ganz normal. Sonst wären wir jetzt wohl alle Feuerwehrleute, Lokführerinnen oder Zoodirektoren. Es treten immer wieder andere Ziele und Träume in unser Leben, realistischer oder auch nicht, manchmal kleiner als die Kindheitsträume, aber nicht weniger wichtig. Wenn ich so zurückblicke, hatte ich wirklich Glück, denn von meinen späteren Träumen haben sich einige erfüllt.
Zum Beispiel der, am Theater zu arbeiten. Das hat geklappt! Eigentlich habe ich die vielen Berufsjahre vor der Selbstständigkeit am Theater verbracht. Sogar in verschiedenen Berufen: als Regieassistentin, Inspizientin und Souffleuse, dann kurz als Schauspieldramaturgin, später lange im Bereich Presse- und Öffentlichkeitarbeit.
Eine Kolumne zu schreiben, war auch lange Zeit ein Eigentlich-wollte-ich, oder eher ein Am-liebsten-würde-ich, und das kam ein paar Jahre lang zustande, als ich eine regelmäßige Kolumne im gedruckten Monatsspielplan des Theaters Nordhausen hatte.
Und dann der Traum, mich schreibend selbstständig zu machen. Der meldete sich erst relativ spät. Aber wer sagt denn, dass man sich ü50 keine Träume mehr erfüllen kann? Ich habe den Sprung in die Selbstständigkeit als Texterin und Lektorin gewagt und es keinen Moment lang bereut.
Ein neuer, alter Traum
Während ich PR-Texte für meine Kund*innen formulierte und überarbeitete, klopfte schüchtern ein weiterer Traum an: Man könnte doch auch mal was Eigenes ...? Kurzgeschichten vielleicht, oder – wagte ich es zu denken? – einen Roman sogar. Dieser Wunsch war schon früher immer mal wieder aufgetaucht, aber nun ja, keine Zeit, kein Mut, keine zündende Idee ... Inspiriert durch eine Flash-Fiction-Challenge und den NaNoWriMo (den es leider nicht mehr gibt), fing ich irgendwann tatsächlich an, einen Fantasy-Roman zu schreiben. Und weil ich die Idee nach den ersten Kapiteln immer noch gut fand, habe ich ihn bei einer Ausschreibung des Novel Arc Verlags eingereicht und einen Vertrag bekommen. 2024 ist mein Jugendfantasy-Roman „Weltenfäden“ erschienen, und ich kann es immer noch kaum glauben, denn abgesehen vom Traum vom Flug ins All war das wohl das am wenigsten realistische Ziel.
Ich bin wirklich sehr glücklich, dass so viele meiner Träume das „eigentlich“ hinter sich gelassen haben und von einem „Eigentlich-wollte-ich“ zu einem „Ich-habe-mal“ geworden sind. Und es ist mir klar, dass das keineswegs selbstverständlich ist.
Ich schreibe mich ins Weltall!
Wenn man dann einmal angefangen hat mit dem Geschichtenschreiben, kommen die Ideen oft wie von selbst. Mehr, als man umsetzen kann. Gerade arbeite ich unter anderem am Plot für einen Science-Fiction-Roman, der mir schon seit über einem Jahr im Kopf herumspukt. Und beim Aufruf zu dieser Blogparade ist mir bewusst geworden, dass auf diesem Weg mein altes „Eigentlich-wollte-ich-ja“ aus der Kindheit wieder eine Rolle spielt. Denn in diesem Roman schreibe ich mich sozusagen ins Weltall – indem ich meine Figuren ins All reisen lasse! Ist auch viel weniger gefährlich als selbst zu fliegen ...
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André Bosse (Dienstag, 25 November 2025 15:40)
Hi Birgit,
vielen Dank fürs Mitmachen bei meiner Blogparade.
Toll, dass das Thema bei dir bis ins All reicht. Und spannend, wie dein Kindheitstraum jetzt im Erwachsenenalter doch noch abhebt.
Ich wünsche dir viel Erfolg beim Schreiben deines Romans. Sag gerne Bescheid, wenn er fertig ist, dann verlinke ich in der Blogparade gerne zum Buch. :-)
Viele Grüße
André
Gabi Kremeskötter (Donnerstag, 29 Januar 2026 15:39)
Liebe Birgit,
hach, dein "Eigentlich wollte ich ja ..." drängt mir direkt meine unerfüllten Wünsche und Träume auf.
Wäre eine gute Gelegenheit, sie einmal zusammenzutragen - denn wie bei dir lungern auch bei mir so einige Visionen herum.
Ich nehme deinen Impuls (bzw. den vom André Bosse) mal mit auf und schaue, wann die Schreiberinnen-Muse mich dazu küsst.
In jedem Fall finde ich, dir ist ein sehr kreativer Weg gelungen, dein "Eigentlich" in ein "Hab ich!" umzumünzen!
Viel Erfolg bei deinem Schreiben,
wir lesen uns,
herzlichst Gabi