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Prompten ist nicht Schreiben: Der Weg zum Text

Was mir in der Diskussion über generative KI immer wieder auffällt: Oft reden KI-Nutzende so, als hätten sie den KI-generierten Text selbst geschrieben. Oder das KI-generierte Bild selbst gemalt. Also irgend etwas Kreatives gemacht, etwas geschaffen. „Man muss schon genau wissen, wie man den Prompt formuliert“, hört bzw. liest man dann in unterschiedlichen Abwandlungen. Aber Prompten ist nicht Schreiben, nicht Kreieren in egal welchem Sinn. Um das zu verstehen, müssen wir nur einen kurzen Blick auf die Arbeitsabläufe in der Zusammenarbeit mit einer Texterin wie mir ansehen. Welcher Phase in diesem Prozess das Prompten entspricht, wird dann schnell klar.

Kein Textauftrag ohne Briefing

Auf einer weißen Oberfläche liegt ein aufgeschlagenes, liniertes Notizbuch mit unbeschriebenen Seiten. Auf dem linken Blatt liegen schräg drei Filzschreiber in Hellblau, Dunkelblau und Schwarz.
Ohne Briefing kein Text. Aber Briefen ist nicht Schreiben!

Wenn Sie bei mir einen Text in Auftrag geben möchten, benötige ich zuerst einmal ein Briefing. Ich muss wissen, was für eine Textsorte Sie brauchen, in welchem Kontext oder Medium der Text genutzt wird, was Sie damit erreichen möchten. Wie lang der Text ungefähr sein soll. Ich muss wissen, worum es gehen soll, was der Text aussagen soll. Ich muss wissen, an wen Sie sich wenden. Ich muss ein Gespür für die Stimme Ihres Unternehmens oder Ihrer Institution entwickeln. Ich muss die Fakten kennen, die der Text vermitteln soll oder die sein Hintergrund sind. Ich muss wissen, ob ich diese Fakten von Ihnen zugearbeitet bekomme oder ob ich selbst recherchieren soll. Und dann gibt es noch so Dinge wie sprachliche Gepflogenheiten. Soll gendergerechte Sprache verwendet werden? Möchten Sie, dass der Text die Lesenden direkt anspricht? Und wenn ja, siezen oder duzen Sie Ihre Zielgruppe?

Je besser das Briefing, desto besser der Text.

Erst dann, wenn ich genug über den gewünschten Text weiß, kann ich auch nur daran denken, mit dem Schreiben zu beginnen. Gegebenenfalls mit ein bisschen Recherche, auf jeden Fall mit einem zusätzlichen Blick auf Ihre Website, um mein „Bild“ vom Auftrag abzurunden. Ja, so ein Briefing bedeutet einen gewissen Aufwand. Aber je ausführlicher das Briefing ist, desto besser trifft der endgültige Text Ihre Vorstellung. Es ist ein bisschen wie „Stille Post“: Was sagen Sie mir? Was verstehe ich? Wie setze ich es um?

So wie es gute und schlechte Prompts gibt, so gibt es auch gute, zielführende und weniger hilfreiche Briefings. Mit etwas Erfahrung merkt man das und kann gegensteuern. Als Empfängerin eines Briefings habe ich die Möglichkeit, nachzufragen. Auf einen gemeinsamen Nenner, vielleicht in Gestalt einer gemeinsamen Erfahrung, zu kommen, bis wir gegenseitig wissen, wovon wir reden. Denn ein Briefing ist ein Gespräch zwischen Menschen oder ein Schriftwechsel zwischen Menschen. Ich kann um weitergehende Erklärungen bitten. Ich kann so lange im Gespräch bleiben, bis der Sachverhalt klar ist. Oder ich kann gegebenenfalls während des Schreibens noch einmal nachhaken. Ich kann zwischen den Zeilen lesen, den Sinn des Gesagten über die Wörter hinaus erfassen. Je besser das Briefing, je genauer der Eindruck, den ich mir verschaffe, desto besser der Text. 

Eine Texterin benötigt also ein Briefing zum Schreiben, so wie ein LLM einen Prompt benötigt, bevor es einen Text generiert. Das Briefing erfüllt genau die gleiche Funktion wie der Prompt. Ein Prompt mag in vielen Fällen kürzer sein, aber dafür benötigt man oft mehrere Versuche, um ein halbwegs vernünftiges Ergebnis zu bekommen.

Wer hat den Text geschrieben?

Aber zurück zu unserer Ausgangsfrage: Wer hat am Ende den Text geschrieben? Sie, weil Sie im Briefing die richtigen Informationen weitergegeben haben? Oder die Texterin, die daraus einen Text formuliert hat? In unserem Beispiel würde wohl niemand sagen, dass der briefende Kunde der Verfasser des Textes ist. Und genauso ist es bei generativer KI. Briefen ist nicht Schreiben. Und Prompten ist ebensowenig Schreiben (aber Text zu generieren, ist auch kein Schreiben). Prompten ist auch nicht Zeichnen oder Malen. Schreiben oder ein Bild erschaffen tut nicht die Person, die den Prompt formuliert oder das Briefing durchführt, sondern die Texterin bzw. die Künstlerin.

Deswegen stößt es uns Kreativen oft so auf, wenn KI-Nutzende meinen, dank der generativen KI würden sie nun auch endlich selbst schreiben oder malen können. Nein, wer generative KI nutzt, schreibt oder malt nicht selbst. Was KI-Nutzende tun, ist einfach bloß: jemanden briefen!

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