Gerade schwappt ein neuer KI-Trend durch Instagram: sich selbst von Chat GPT als Karikatur porträtieren zu lassen. Oder sein Business. Oder sein Familienleben. Was heraus kommt, mag manche*r niedlich, treffend oder witzig finden. Ich muss es nicht mögen und könnte die Posts einfach ignorieren und abwarten, bis auch diese Welle abebbt wie so viele andere vor ihr. Vielleicht würde ich das auch tun, wenn ich nicht zunehmend auch Autor*innen sähe, die den Trend mitmachen.
Überhaupt fällt mir in der letzten Zeit wieder öfter auf, dass Kreative generative KI nutzen, um Inhalte aus anderen Kunstgattungen zu erstellen. Also zum Beispiel Autor*innen, die für ihre Social-Media-Posts deutlich KI-generierte Bilder nutzen. Oder Kreative verschiedener Kunstgattungen, die ihre Marketingtexte von KI generieren lassen. Das finde ich aus verschiedenen Gründen besonders bitter. Was daran so problematisch ist, erkläre ich in diesem Artikel.
Urheberrecht und Nutzungsrecht

Ob wir Musik machen, Illustrationen zeichnen, Bilder malen, fotografieren oder schreiben – wir sitzen alle im selben Boot: Wir nutzen unsere menschliche Kreativität, um etwas zu schaffen. Etwas Neues, Künstlerisches, etwas mit einer Aussage, in unserem Stil, mit unserer „Handschrift“, nach unserem Geschmack. Diese Werke, ob wir das akzeptieren und überhaupt davon wissen oder nicht, werden häufig (je nach Verfügbarkeit im Internet) genutzt, um generative KIs damit zu füttern, daran zu trainieren. Wenn das ohne Zustimmung der Urhebenden und ohne Vergütung passiert, verletzt es das Urheberrecht, man könnte auch sagen, es kommt einem Diebstahl gleich.
Übrigens gibt es noch ein weiteres Problem, diesmal nutzungsrechtlich. Wenn, wie im aktuellen Trend, jemand ein Bild von seinem/ihrem Arbeitsumfeld z. B. aufgrund des eigenen Instagram-Feeds generieren lässt, im Feed beispielsweise die Cover von Büchern anderer Autor*innen zu sehen sind (weil jemand sie besprochen hat, gerade liest oder die Autor*innen unterstützen möchte) und diese für das generierte Bild verwendet werden, dann geschieht das oft, ohne Nutzungsrechte zu haben. Denn meistens wird das Cover zur Verfügung gestellt worden sein, damit die bloggende Person es in einer Rezension verwendet oder ähnliches. Das aktive Eingeben in eine KI ist damit sicherlich nicht abgedeckt, es sei denn, die Nutzenden hätten sich vorher abgesichert.
Was du nicht willst, das man dir tu ...
Jemand, der oder die selbst kreativ tätig ist, sollte noch viel mehr als alle anderen verstehen, dass das nicht akzeptabel ist. Denn wir alle wollen selbst nicht, dass unsere Rechte so ignoriert werden. Ob mit oder ohne Kennzeichnungspflicht – generative KI schafft nichts Eigenes, sondern beutet Künstler*innen aus. Sollten wir Kreativen nicht gerade deshalb einen weiten Bogen darum machen? Sollten wir nicht besonders darauf achten, die widerrechtliche Nutzung von Kreationen unserer Kolleginnen und Kollegen nicht noch zu unterstützen? Sollten wir nicht Solidarität zeigen und allein deshalb schon auf generative KI verzichten?
Anspruch? Fehlanzeige!
Gerade beim aktuellen Trend der Karikaturen aufgrund der bisherigen Interaktion mit ChatGPT oder auf der Basis des eigenen Feeds kann man es gut beobachten: Der Stil ist immer gleich. Dieselben Comic-Gesichter, völlig frei von Persönlichkeit. Derselbe gelbbräunlich getönte Farbstich, den wir schon zu oft gesehen haben. Und sogar die typischen Fehler, die bei KI-generierten Abbildungen auftreten: ein Finger zu wenig oder einer zu viel, Details, die keinen Sinn ergeben. Wenn wir ehrlich sind, sind die Bilder austauschbar und ich nehme an, dass wir sie bald über haben werden.
Aber reicht den Nutzer*innen das, diese verwechselbaren, geglätteten, persönlichkeitslosen Bilder? Oder Marketingtexte und Social-Media-Posts im immer gleichen Sprachrhythmus? Sollten gerade wir Kreativen nicht einen höheren Anspruch haben – und mehr Persönlichkeit zeigen, wenn wir das möchten? Also mehr uns selbst, weniger Gleichförmigkeit? Oder mehr Selbstgeschaffenes, weniger Generiertes?
Ich verstehe jede*n, die/der Probleme mit Fotos von sich selbst im Internet hat. Ich selbst habe meine andauernde Fotokrise auch noch nicht im Griff. Aber deswegen werde ich trotzdem keine KI-Bilder von mir erstellen lassen. Auch nicht als „niedlichen Gag“.
Konsequenz und Glaubwürdigkeit
Es könnte fast amüsant sein, wenn es nicht so traurig wäre: Schreibende, ob Autor*innen, Blogger*innen oder Texter*innen, möchten, dass man ihnen glaubt, dass sie ihre Bücher, Rezensionen und Texte selbst geschrieben haben. Aber sie werben dafür mit KI-generierten Bildern? Entschuldigung, aber in meinen Augen macht sie das komplett unglaubwürdig.
Gerade diesen aktuellen Karikaturen-Trend habe ich leider auch bei Accounts gesehen, die ich online schon etwas länger kenne. Ich meine zu wissen, dass sie ihre eigene Kunst selbst kreieren, ohne KI. Aber kann ich mir dessen wirklich sicher sein, wenn sie KI für ihre Social-Media-Posts nutzen?
Meine Meinung steht fest: Wenn wir als Autor*innen glaubwürdig sein wollen, wenn unsere Leser*innen uns vertrauen sollen, dann müssen wir konsequent sein und auf generative KI verzichten. So. Und nun gucken wir am besten alle woanders hin, bis der Trend langweilig wird und sich von selbst totläuft. Allerdings ... der nächste wartet vermutlich schon.
Einen ganz persönlichen Hoffnungsschimmer sehe ich schon: Es ist eine lebhafte und hoffentlich immer sachlich-wertschätzende Debatte über die aktuellen Trends entstanden. Und einige Accounts haben ihre KI-„Porträts“ schon wieder gelöscht. Vielleicht ist es immer noch möglich, Kunstschaffende und Kreative zu sensibilisieren und zum Nachdenken zu bringen. Das würde mich sehr freuen.
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UrsulinaPittrofAutorin (Mittwoch, 11 Februar 2026 21:54)
Liebe Birgit,
ich stimme dir absolut zu. Diese Austauschbarkeit, die fehlende eigene Handschrift usw., das sollte nicht der Abspruch von uns Kreaktiven sein. Ich denke zwar nicht, dass man sich komplett vor der generativen KI verschließen sollte, sie ist nun mal ein (neuer) Teil unseres Lebens. Aber gerade was Nutzungsrechte usw. angeht, bin ich 100%ig deiner Meinung. LG
Ursulina
UrsulinaPittrofAutorin (Mittwoch, 11 Februar 2026 21:55)
*Kreativen