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Gut versteckt im Männersport? Das kuriose Wort „Frauenmannschaft“

„Frauenmannschaft“ – was ist denn das bitte eigentlich für ein kurioses Wort? Zum heutigen Internationalen Frauentag, der in die Qualifikationsphase der FIFA-Frauen-WM 2027 fällt, werfen wir mal einen genaueren Blick darauf. Darauf, was das für ein Wort ist, warum es so lautet, wie es lautet, und ob es nicht auch andere Möglichkeiten gäbe. Denn abgesehen davon, dass es absurd klingt, hat das Wort in meinen Augen auch viel mit der Sichtbarkeit bzw. Unsichtbarkeit von Frauen zu tun. Es ist ein Beispiel dafür, dass Sprache eine Wirkung über den reinen Inhalt hinaus hat und wir uns dessen bewusst sein sollten. Denn Sprache schafft Bilder, und Bilder bewirken etwas.


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Eine Männergruppe aus Frauen

Fast formatfüllend liegt ein Fußball auf einem Rasen. Er hat das klassische Design aus schwarzen und weißen Sechsecken. Licht und Schatten machen ein Muster auf dem Gras.

Das Wort „Frauenmannschaft verbindet zwei gegensätzliche Bedeutungen zu einem neuen Begriff: die Frauen, aus denen die gemeinte Gruppe besteht, und das Wort „Mannschaft“, das sich im Ursprung auf eine Gruppe von Männern bezieht. Gerade in Bezug auf Fußball (aber auch in anderen Zusammenhängen wie Schiffs- oder Raumschiffsbesatzungen, anderen Sportarten oder auch Firmenbelegschaften) wundert das wenig. Denn obwohl in den Anfängen des heutigen Fußballs Mitte des 19. Jahrhunderts in Großbritannien auch Frauen den Sport ausübten, wurde er ihnen in Europa doch immer wieder erschwert oder verboten. Erst 1970 hob der DFB das seit 1955 bestehende Verbot der ihm angeschlossenen Vereine, Frauenabteilungen zu gründen, wieder auf. In Großbritannien war Frauen die Nutzung der Fußballstadien sogar von 1920 bis 1970 verboten.

Frauen als der Sonderfall

Der Duden definiert „Mannschaft“ im sportlichen Sinne aktuell als „Gruppe von Sportlern oder Sportlerinnen, die gemeinsam einen Wettkampf bestreiten“. Immerhin werden Sportlerinnen in der Definition mit aufgeführt. Wenn man sich das Wort „Mannschaft“ ansieht, sind wir aber wieder einmal nur „mitgemeint“.

Das Wort „Frauenmannschaft“ nennt zwar explizit und gleich zu Beginn die Personengruppe, um die es geht. Aber anstatt ein neutrales oder ein eigenes Wort dafür zu finden, bleibt der eigentliche Wortkern die „Mannschaft“. Der Normalzustand sozusagen, das Urbild. Dass der Wort-Teil „Frauen“ als genauere Definition vorangestellt wird, beweist genau das: Eine Frauenmannschaft ist der Sonderfall einer (Männer-)Mannschaft: Ist halt die Ausnahme, normal spielen Männer Fußball. Vielleicht bin ich zu lange in einer Zeit aufgewachsen, in der der Frauenfußball belächelt und verspottet wurde, um das nicht als wertend zu empfinden.

Mit dem Frauenfußball selbst ist es übrigens ähnlich. Spricht man in anderen Sportarten von „Abfahrtslauf der Herren“ und „Abfahrtslauf der Damen“, so ist es beim Fußball immer der „Frauenfußball“. Wie eben beschrieben: das Wort wird gebildet wie eine Spezialform des eigentlichen Fußballs, der anscheinend in den Köpfen, mehr oder weniger unbewusst, immer noch den Männern vorbehalten ist.

Wie ginge es anders?

Ein eigenes Wort

Der Duden führt es auf: das Wort Frauschaft. Ganz einfach analog zu „Mannschaft“ gebildet. Definiert als „aus weiblichen Mitgliedern bestehendes Team“. Das wäre eine elegante Lösung, zumindest im Sport, wo die Teams säuberlich getrennt agieren. Es würde die Frauen endlich sichtbar machen und nicht zum Sonderfall degradieren. Aber es klingt sehr fremd. Das liegt möglicherweise nur daran, dass es so ungewohnt ist. Vielleicht würden wir uns schnell daran gewöhnen, wenn wir es mehr benutzen würden. Aber vielleicht finden wir eine noch elegantere Lösung.

Ein neutrales Wort

Es gibt eine ganze Menge geschlechtsneutrale Begriffe, die auch im Männerfußball verwendet werden, meist als Synonyme für „Mannschaft“, um zu viele Wiederholungen zu vermeiden. „Team“ gehört dazu, aber auch „Elf“, „Auswahl“ oder „Aufgebot“.

Als neutrale Lösung finde ich persönlich „Team“ am besten geeignet. Es ist ohnehin schon in unserem Sprachgebrauch verankert, sei es im Sport oder in Bezug auf die Arbeitswelt. Die Alternativen könnten weiterhin als Synonyme benutzt werden.

Das Gute am Wort „Team“ ist, dass es wirklich ganz frei von geschlechterspezifischen Festlegungen ist. Es macht nicht Frauen hinter den Männern unsichtbar. Es lässt offen, definiert nicht und lässt dadurch zu. Auch die damit zusammengesetzten Begriffe „Frauenteam“ oder, ja, warum nicht, „Männerteam“ sind möglich, ohne auf einen absurden Widerspruch zu stoßen. 

Das Fußball-Nationalteam der Frauen hat jedenfalls gestern den nächsten Schritt zur WM-Qualifikation geschafft. Ich drücke den Spielerinnen weiter die Daumen für einen erfolgreichen Weg durchs Turnier im Fußball der Frauen!


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Kommentare: 1
  • #1

    Nicole (Donnerstag, 02 April 2026 10:19)

    Liebe Birgit,
    da bin ich ganz bei dir, Frauschaft klingt altmodisch, Nationalteam /Nationalelf der Damen/Herren wäre mein Favorit. Sonst müsste es konsequent Männer-Mannschaft und Frauen-Mannschaft heißen, oder?! �
    Mein Sohn hatte mal eine Tagesmutter namens Frau Mann - das hat mich auch irgendwie immer irritiert...
    LG Nicole