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Fünf Dinge, die mich am Schreiben nerven

Ich schreibe viel. Und gern! Im Brotberuf als Texterin, aber auch nebenbei als Autorin. Aber es ist wie bei allem, das man oft tut. Wie bei allem, das man beruflich macht, selbst wenn es vorher ein Hobby war. Die Freude am Schreiben stellt sich nicht immer ein. Und schon gar nicht automatisch! Es flutscht“ nicht jeden Tag. Und es gibt sogar Tage, da nervt es richtig. Ja, auch mich!

In diesem Artikel habe ich fünf Dinge gesammelt, die mir das Schreiben manchmal so richtig vermiesen. Was nicht heißt, dass es mir keinen Spaß mehr macht. Aber auf diese Stressfaktoren könnte ich wirklich gut verzichten!

Dies ist mein Beitrag zu meiner ersten eigenen Blogparade Was mich am Schreiben nervt“.

Sie schreiben selbst beruflich oder privat, als Hobby oder als lästige Pflicht, als Autor*in, Texter*in, Journalist*in oder Blogger*in? Dann lade ich Sie herzlich ein, bis zum 30. August an der Blogparade teilzunehmen! Schreiben Sie sich von der Seele, was Sie am Schreiben nervt! Wie Sie mitmachen, lesen Sie hier:

1. Die Cloud der verschwundenen Sätze

Irgendwo gibt es einen geheimen Ort der vergessenen Sätze. Eine Cloud oder sowas. Ich bin ganz sicher! Denn wo sollten die ganzen Sätze, die wir eben noch perfekt im Kopf hatten und die dann von einem Moment auf den anderen verschwinden, sonst hingehen?

Eine große, fast formatfüllende Cumuluswolke mit scharf umrissenen Rändern. Im Hintergrund noch blauer Himmel mit einigen Schleierwolken.
Bestimmt gibt es eine Cloud, in der sich alle vergessenen Sätze sammeln.

Das ist vielleicht das Nervigste am Schreiben überhaupt. Ich tippe gerade einen Satz. Mein Kopf arbeitet inzwischen weiter und formuliert den nächsten Satz fertig. So richtig mit Anfang, Mittelteil und Schluss. Er ist perfekt! Er ergibt Sinn und ist der einzig wahre Satz für die Stelle, an der ich gerade bin. Aber da ich (trotz Zehn-Finger-ohne-Hingucken) schneller denke, als ich schreibe, muss ich manchmal noch den Satz davor fertig tippen. UND DANN IST DER NEUE SATZ EINFACH WEG! Oder ich tippe gerade seinen Anfang, und der Rest verschwindet im Nirvana meines Gehirns. Oder in der besagten Cloud. Auf Nimmerwiedersehen.

Es gibt kaum was Ärgerlicheres beim Schreiben (außer vielleicht ein versehentlich gelöschtes Textdokument)! Nie wieder wird mir ein so treffender Satz einfallen, ich weiß es! Alles, an das ich mich noch erinnern kann von diesem perfekten Satz, ist ein müder Abklatsch davon!

Ein Rezept dagegen habe ich noch nicht gefunden. Außer nicht parallel zum Tippen den nächsten Satz zu denken. Aber sagen Sie das mal meinem Gehirn!

2. Die innere Kritikerin

Auf einer hölzernen Tischplatte liegt ein Spiralblock mit kariertem Papier, darauf ein silberner Kugelschreiber. Auf und neben dem Block zwei zusammengeknüllte Blätter.
Der ewige Kampf mit der inneren Kritikerin

Es lässt sich kaum verhindern: Beim Schreiben liest man mit. Nicht nur die Autorin tut das – noch viel strenger prüft die innere Kritikerin jedes einzelne Wort schon während des Tippens. Wenn sie dann nicht die Klappe hält, sondern sich sofort lautstark einmischt und Änderungen fordert, kann das sehr aufhalten. Die innere Kritikerin nervt wirklich extrem!

 

Manchmal möchte sie Wörter gleich nach dem Tippen austauschen. - Nein, lass mich mal, wir wollen doch vorankommen. Austauschen können wir beim Überarbeiten immer noch, machen wir auch, versprochen!

Manchmal findet sie einen ganzen Satz katastrophal schlecht. - Halt trotzdem die Klappe. Bestenfalls markieren wir den Satz jetzt irgendwie gelb und sehen ihn ein andermal an. Sonst werden wir nie fertig!

Manchmal gefällt ihr nichts von dem, was ich an diesem Tag geschrieben habe. Also gar nichts. Kein einziges Wort. Beleidigt arbeitet sie sich durch die Zeilen und zeigt gnadenlos auf alle Schwächen: Hier. Und hier. Was hast du dir eigentlich bei dieser Stelle gedacht? Da hast du das Bild verlassen. Und der Satz hier, elegant ist was anderes! Die Szene ist unlogisch. Und die Perspektive stimmt nicht! Wie kommst du eigentlich zu der Annahme, du könntest schreiben? 

Das sind die schlimmsten Tage. Da hilft nur: Aushalten, Datei speichern, Datei schließen. Nicht auf die innere Kritikerin hören. Was anderes machen. Am nächsten Tag frisch auf den Text gucken. Ganz oft finde ich dann, dass die innere Kritikerin sich spektakulär geirrt hat und der Text, Überraschung, gar nicht schlecht geworden ist! Ein paar Kleinigkeiten lassen sich beim Überarbeiten verbessern. Also alles gut!

Aber das funktioniert nur, wenn die Schreibende der inneren Kritikerin vorher den Mund verbietet. Oder sich die Ohren verstopft. Auf keinen Fall hinhören – erstmal einen Entwurf schreiben!

3. Der nie ganz fertige Text

Wenn ich könnte, würde ich wahrscheinlich ewig an einem Text herumfeilen! Mit diesem tröstlichen Gefühl: Alles, was meiner Aufmerksamkeit jetzt übergeht, entdecke ich in der nächsten Runde. Seien es Tippfehler, ungeschickte Formulierungen oder Wortwiederholungen. Oder Logik-Fehler. Oft widerstrebt es mir, einen Text loszulassen. Denn man weiß doch nie, ob einem morgen nicht noch ein viel treffenderes Wort einfällt! Wie kann man den Text da schon rausgeben? Das geht doch nicht!

Dieses Nie-fertig-sein mit dem Schreiben (und ich vermute, dass es beim Malen und Zeichnen und anderen kreativen Tätigkeiten ähnlich ist) kann einem wirklich im Weg stehen. Da hilft nur eins: Eine Deadline setzen! Eine realistische natürlich, zu groß sollte der Druck dann auch nicht werden. Und alles dafür tun, dass der Text dann wirklich abgabereif ist. Es gibt ein paar Tricks, um sicherzugehen, dass man alles nur Mögliche dafür getan hat. Und: Übung hilft! Ich bin schon lange daran gewöhnt, dass Texte irgendwann raus müssen. Eine Pressemitteilung muss zeitnah (!) versendet werden, sonst verliert sie ihren Sinn. Ein Kundentext hat ein Abgabedatum, ebenso wie ein Manuskript, das ins Lektorat soll. Mit der Zeit habe ich trainiert, mich von Texten zu verabschieden und sie in die Welt zu lassen.

4. Die unerträgliche Leichtigkeit des Lesens

Wer etwas liest, hat einen fertigen (nun ja, so fertig ein Text sein kann, siehe Punkt 3) Text vor den Augen. Denn vorher lassen wir Schreibenden unsere Worte gar nicht raus in die Welt. Selbst ein*e Lektor*in bekommt ein Manuskript normalerweise erst, wenn die Schreibende es mehrmals selbst überarbeitet hat. Manchmal lassen wir jemanden relativ früh draufgucken, aber im Normalfall arbeiten wir so lange daran, bis wir halbwegs zufrieden sind (und die innere Kritikerin mal kurz woanders hinguckt).

Dem fertigen Text sieht man nicht mehr an, wie die Schreibende damit gekämpft hat. Er liest sich (hoffentlich) angenehm. Und flüssig. Idealerweise macht das Lesen sogar Spaß. Aber das bedeutet gleichzeitig, dass die Lesenden nicht mehr wahrnehmen, wie holprig der erste Entwurf war. Wie viel Mühe und Grübeln in einzelne Formulierungen geflossen ist. Wie anstrengend es war, den perfekten Ausdruck zu finden. Wie lange die Schreibende vor dem Rechner gesessen hat, bevor der erste Satz in die Tastatur wanderte. Wie lange es gedauert hat, bis der letzte Satz endlich auch da stand.

Das ist auch gut so. Natürlich soll sich der fertige Text super lesen und so, als wäre er ganz leicht, wie von selbst, aus unserem Gehirn in die Datei oder auf das Papier geflossen. Als wäre das Schreiben ein reines Vergnügen gewesen. Schließlich schreiben wir ja gern, oder? Und trotzdem: Manchmal wünsche ich mir, dass die Lesenden nur einen winzigen Hauch einer Ahnung davon hätten, wie wir um die Worte gerungen haben. Sie würden unsere Texte vielleicht noch mehr wertschätzen. Die Honorare, die Texter*innen nehmen müssen, um von ihrer Arbeit leben zu können, besser nachvollziehen können. Besser verstehen, was Schreiben (im Gegensatz zum Prompten einer KI) wirklich bedeutet.

5. Was ich brauche und was nicht

Theoretisch geht Schreiben immer und überall, man braucht nur einen Zettel und einen Schreiber, oder ein Handy mit Notiz- oder Diktierfunktion. Ein Notizbuch oder einen kleinen Schreibblock. In ein paar freien Minuten kann man schnell ein paar Sätze notieren für das aktuelle Romanprojekt. Oder für den nächsten Kund*innentext. Theoretisch.

Ich beneide die Schreibenden, die das können: in ein paar freien Minuten am Romanprojekt weiterschreiben, den nächsten Absatz einer Kurzgeschichte schreiben. Einfach jeden Moment nutzen. 

Die Praxis sieht oft anders aus, jedenfalls bei mir. Ich brauche nicht viel zum Schreiben, aber zwei Sachen dann doch: Einen möglichst freien Kopf. Mit zu viel Stress im Kopf, den ich nicht ausgeblendet bekomme, ist es schwierig, mich auf einen Text zu konzentrieren - vor allem beim Romanschreiben, wo es rein auf meine eigenen Ideen ankommt. Ein Kundentext nach klaren Vorgaben und mit feststehenden Fakten geht da viel leichter: Es ist mein Beruf, auch an stressigen Tagen für Kund*innen texten zu können. So wie man im Büro die Gedanken an Zuhause weitgehend ausblendet. Aber wie soll ich wissen, was meine Hauptfigur als nächstes tut, wenn mein Kopf nicht frei ist?

Und ich brauche ein halbwegs anständiges Zeitfenster. Mal eben ein paar Minuten schreiben, das fällt mir schwer. Ich versuche ja, mich in das Projekt hineinzudenken, im Thema oder in der Geschichte zu sein. Wenn ich vorher schon weiß, dass ich nur eine Viertelstunde habe, klappt das nicht so gut. Dafür kann ich die Zeit für anderes nutzen: Ideen stichwortartig notieren, etwas korrekturlesen, solche Dinge.

Schön wär's ja, wenn ich auch in kurzen Zeitfenstern an Romanprojekten arbeiten könnte. Vielleicht lässt sich das noch trainieren. Leichter fällt es mir auf jeden Fall, wenn mir nicht ganz andere Gedanken oder ganz andere Texte im Kopf herumspuken!


Was geht Ihnen beim Schreiben auf die Nerven? Nehmen Sie an meiner Blogparade teil und erzählen Sie davon!

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